Markets

Kevin Warsh will die Fed neu aufbauen

20 June 2026 · Von Anton Sussland
Kevin Warsh will die Fed neu aufbauen

Die Finanzmärkte hatten über die Jahre ein schwieriges Verhältnis zu Jerome Powell. Mit dem Amtsantritt von Kevin Warsh hoffen viele Anleger auf einen Kurswechsel.

Die Finanzmärkte hatten über die Jahre ein schwieriges Verhältnis zu Jerome Powell. Mit dem Amtsantritt von Kevin Warsh hoffen viele Anleger auf einen Kurswechsel.


Als Kevin Warsh das Amt des Fed-Vorsitzenden übernahm, begann er nämlich nicht einfach damit, an den Zinssätzen zu drehen. Er richtete fünf Arbeitsgruppen ein, um die tatsächliche Funktionsweise der Zentralbank gründlich zu prüfen.


Erstens: die Kommunikation der Fed. Jede Aussage, Prognose und beiläufige Bemerkung eines Fed-Vertreters kann die Märkte in Bewegung versetzen. Warsh möchte wissen, ob es einen klareren Weg gibt, die Geldpolitik zu kommunizieren, ohne all dieses Rauschen auszulösen — und ohne die Fed in Positionen zu drängen, die ihren Handlungsspielraum einschränken. Man erinnere sich, dass die Fed 2021 das aufkommende Inflationsproblem nur langsam erkannte. Ein Teil dieser Verzögerung ging auf ihre eigene frühere Kommunikation zurück, als die Verantwortlichen die Preisanstiege wiederholt als «vorübergehend» bezeichneten.


Zweitens: die Bilanz — die Billionen an Vermögenswerten, die die Fed durch die Stützung der Wirtschaft in diversen Krisen aufgebaut hat. Die Frage ist unverblümt: Muss die Fed wirklich so viel halten? Eine Arbeitsgruppe prüft, ob es einen schlankeren Weg zur Steuerung der kurzfristigen Zinsen gibt, denn die Grösse dieses Portfolios prägt die Kreditbedingungen weit über die Wall Street hinaus. Viele Marktteilnehmer sehen in einer kleineren Bilanz eine langfristig gesündere Ausgangslage — andere warnen jedoch, dass eine zu aggressive Verkleinerung die Finanzierungsbedingungen stärker straffen könnte als beabsichtigt, wie es bei den Verwerfungen am Repo-Markt 2019 beinahe geschah.


Drittens: bessere Daten. Amtliche Wirtschaftsstatistiken hinken der Realität oft um Monate hinterher. Eine Gruppe versucht herauszufinden, wie die Fed schneller erfassen kann, was tatsächlich geschieht — Konsum, Einstellungen, Geschäftstätigkeit —, damit die Entscheidungsträger nicht anhand bereits veralteter Zahlen steuern.


Viertens, und vielleicht am interessantesten: KI und Arbeitsplätze. Wenn künstliche Intelligenz die Arbeitnehmer deutlich produktiver macht, könnte die Wirtschaft schneller wachsen, ohne die üblichen inflationären Nebenwirkungen. Das würde viele Annahmen umstossen, die die Fed zur Zinsfestlegung heranzieht, und diese Arbeitsgruppe will dem zuvorkommen.


Fünftens: die Inflation selbst. Die Preissprünge der frühen 2020er-Jahre überraschten viele Ökonomen — sie unterschätzten, wie schnell die Preise steigen und wie hartnäckig sich die Inflation halten kann, sobald sie sich festgesetzt hat. Diese Arbeitsgruppe geht diese Lehren noch einmal durch, um zu verstehen, was die Fed falsch eingeschätzt hat.


Zusammengenommen handelt es sich nicht um fünf blosse technische Überprüfungen. Warsh fragt im Kern, ob die Fed sich selbst richtig geführt hat — und diese Frage reicht weit über die Wall Street hinaus, bis hin zu Kreditkosten, Sparerträgen, dem Arbeitsmarkt und den Preisen der Güter des täglichen Bedarfs.


Nichts davon ändert die Zinsen von morgen auf heute. Aber wenn es die Arbeitsweise der Fed neu prägt, werden die Menschen es über Jahre spüren.