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Kevin Warsh und die Fed

February 6, 2026 · Von Anton Sussland
Kevin Warsh und die Fed

Sollte er als Fed-Vorsitzender bestätigt werden, wird Kevin Warsh auf tiefere Inflation, eine kleinere Bilanz und ein engeres Mandat drängen — Entwicklungen, die wir als deutlich positiv für den US-Dollar, Staatsanleihen und Aktien werten.

Sollte Kevin Warsh vom US-Senat als Vorsitzender der Federal Reserve bestätigt werden — was höchst wahrscheinlich erscheint —, wird er sich auf mehrere nachfolgend erörterte Prioritäten konzentrieren. Zuvor möchten wir jedoch die Frage der Unabhängigkeit der Fed ansprechen.

Manche Anleger sorgen sich weiterhin um die Unabhängigkeit der Fed von der Exekutive. Aus unserer Sicht wird die Fed unabhängig bleiben. Zwar wird die Trump-Regierung vier der sieben Mitglieder des Board of Governors (einschliesslich Warsh) nominiert haben, doch nicht das Board of Governors setzt die Zinsen fest — das ist die Aufgabe des Federal Open Market Committee (FOMC). Das FOMC hat zwölf stimmberechtigte Mitglieder: die sieben Board-Mitglieder, den Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York und vier rotierende Mitglieder aus den übrigen elf regionalen Fed-Präsidenten. Von Trump ernannte Personen werden daher nur ein Drittel der stimmberechtigten FOMC-Mitglieder stellen.

Wir betrachten die Fed als weiterhin unabhängige Zentralbank — anders als etwa die Bank of China, deren Politik faktisch von der Regierung vorgegeben wird.

1. Kevin Warsh und die Inflation

Kevin Warsh hat seinen Wunsch nach sowohl tieferen kurzfristigen Zinsen als auch tieferer Inflation geäussert — Ziele, die nicht immer vereinbar sind und eine erhebliche Herausforderung darstellen werden. Das von der Fed bevorzugte Inflationsmass, der Kern-PCE (Personal Consumption Expenditures), liegt derzeit bei 3,1 %, deutlich über dem offiziellen Zielbereich von 1,0–2,0 %.

Laut Ökonomen haben die US-Zölle rund 0,4–0,5 % zur Inflation beigetragen, und der schwächere Dollar weitere 0,2–0,5 %. Für Warsh könnten das SCOTUS-Urteil zu den Zöllen und eine mögliche Aufwertung des Dollars helfen, sein Doppelziel zu erreichen. Eine stärkere Währung senkt in der Regel die Inflation und stützt tiefere Zinsen (wie in der Schweiz zu sehen), während eine schwächere Währung tendenziell Inflation und höhere Zinsen antreibt (wie in der Türkei).

Wir sind zudem der Ansicht, dass Warsh mit seiner Kritik recht hat, die Fed habe sich bei ihren Entscheidungen zu stark auf historische Daten gestützt, statt sich ausreichend auf vorausschauende Indikatoren zu konzentrieren. Die Finanzmärkte richten sich stets nach vorausschauenden Informationen. Anleger würden daher eine Abkehr vom Ansatz Jerome Powells wohl begrüssen, dessen Betonung nachlaufender Daten dazu beitrug, dass die Fed den Inflationsanstieg nach der COVID-19-Pandemie nur langsam erkannte.

2. Kevin Warsh und Quantitative Easing

Kevin Warsh war ein beständiger Kritiker des Einsatzes der Fed-Bilanz für Quantitative Easing und dessen, was er als «Subventionierung des Finanzministeriums» durch Anleihekäufe bezeichnete. Viele Anleger sorgen sich seit Langem, dass die Grösse der Zentralbankbilanzen zu einer Quelle von Verzerrungen bei den Vermögenspreisen geworden ist.

Wir sind der Ansicht, dass Warshs erklärte Absicht, klare Leitlinien für die angemessene Grösse der Fed-Bilanz und die Bedingungen ihres Einsatzes festzulegen, sinnvoll ist und eine positive Entwicklung für Anleger darstellen würde. Diese beiden Fragen wurden seit der Einführung des Quantitative Easing nach der Finanzkrise 2008 nie zufriedenstellend beantwortet. Eine Verkleinerung der Fed-Bilanz wäre selbstverständlich stark positiv für den US-Dollar.

3. Kevin Warsh und der Auftrag der Fed

Wie Finanzminister Scott Bessent hat Kevin Warsh das kritisiert, was er als «Mission Creep» der Federal Reserve bezeichnet — die schrittweise Ausweitung der Fed-Aktivitäten weit über ihr gesetzliches Mandat hinaus. Der Employment Act von 1946 und der Federal Reserve Reform Act von 1977 definieren das Mandat der Fed klar als Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Der Fed wurden vom Kongress nie Befugnisse über dieses Mandat hinaus erteilt. Das Engagement der Fed in der Finanzmarktregulierung, der ESG-Politik (Umwelt, Soziales, Governance) und anderen Bereichen ist eine Tätigkeit, für die sie keine ausdrückliche Ermächtigung des Kongresses hat. Wir glauben, dass Anleger eine Fed mit schärferem, engerem Fokus begrüssen würden.

Wir gehen davon aus, dass Kevin Warsh auf eine kleinere Fed-Bilanz (d. h. kein weiteres Quantitative Easing) und einen deutlich engeren Fokus auf Inflation und Beschäftigung drängen wird. Seine Vorliebe für vorausschauende Indikatoren würde die Fed und die Finanzmärkte näher zusammenbringen. Wir gehen daher davon aus, dass Kevin Warsh ein deutlich positiver Faktor für den US-Dollar, den Markt für US-Staatsanleihen und damit auch für die Aktienmärkte sein wird.

Jerome Powells Amtszeit als Fed-Vorsitzender endet am 15. Mai 2026. Allerdings blockiert der US-Senator Thom Tillis derzeit die Anhörungen zur Bestätigung von Kevin Warsh. Laut Prognosemärkten besteht eine Wahrscheinlichkeit von 45 %, dass Warsh nicht vor dem 15. Mai bestätigt wird. In diesem Szenario würde Jerome Powell die Fed-Präsidentschaft interimistisch weiterführen. Dies erklärt auch, warum die Finanzmärkte ihre Erwartungen an Zinssenkungen im zweiten Quartal 2026 zurückgeschraubt haben, da Powell einer Senkung im aktuellen Umfeld erhöhter Inflationsrisiken wohl entgegenstünde.